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13.07.2026

"Energiewendekompetenz steht und fällt mit der Datenqualität"

13.07.26, 10:00 von Rouben Bathke: Interview mit Thomas Koller, enersis

Bern/Essen (energate) - Im Rahmen des NEST-Prozesses will die Bundesnetzagentur ein neues Qualitätskriterium für Netzbetreiber einführen: die "Energiewendekompetenz". Damit soll die Leistungsfähigkeit von Netzbetreibern bei der Umsetzung der Energiewende stärker in die Anreizregulierung einfließen, wobei sich diese Energiewendekompetenz anhand von Indikatoren wie realisierten Netzanschlüssen und der Dauer von Anschlussprozessen bemessen soll. Damit rücken Prozesseffizienz und Kompetenzen insbesondere der Digitalisierung der Netze in den Fokus. energate sprach mit Thomas Koller, Geschäftsführer des Softwaredienstleisters Enersis, über die Vermessung der Energiewendekompetenz und die Rolle der Digitalisierung in dem Prozess.

Kriterium der Energiewendekompetenz

energate: Herr Koller, die Bundesnetzagentur führt das regulatorische Kriterium der Energiewendekompetenz ein, um zu erfassen, wie gut Netzbetreiber die Anforderungen der Energiewende umsetzen. Welche Veränderungen kommen in dem Zuge auf die Netzbetreiber zu?

Koller: Zuerst einmal ist wichtig, dass es sich bei der Initiative nicht um neue Anforderungen handelt. Es geht nicht - wie zum Beispiel bei Paragraf 14a oder dem Redispatch - um neue Prozesse, sondern um die Verbesserung der bereits vorhandenen Transformationsleistung. Diese soll jedoch zukünftig gemessen und in die Anreizsystematik eingebunden werden. Die wichtigste Veränderung ist ein Perspektivwechsel: Es zählt künftig der Output, nicht die Absichtserklärung. Das Gutachten von E-Bridge und FGH im Auftrag der Bundesnetzagentur ist da sehr klar. Bewertet wird nicht, welche Maßnahmen ein Netzbetreiber plant, sondern was beim Netzkunden ankommt: wie viele Energiewendetechnologien tatsächlich ans Netz gehen - gemessen an der Nachfrage - und wie schnell das gelingt.

Messwerte der Energiewendekompetenz

energate: Wie lässt sich das konkret bemessen? Welche Kennwerte werden dafür herangezogen?

Koller: Konkret werden drei Indikatoren gemessen. Erstens zusätzliche erneuerbare Energien. Zweitens zusätzliche Verbrauchseinrichtungen, also Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Elektrolyseure und Speicher. Drittens die Zeit zwischen Antragstellung und Inbetriebnahme des Netzanschlusses. Auf den darunterliegenden Kennzahlen basiert dann das Anreizsystem. Die Leistung wird über CO2-Einsparung monetarisiert - auf Basis der Vermeidungsfaktoren des Umweltbundesamts. Wer schnell und in großem Umfang emissionssparende Technologien anschließt, erhält einen größeren Anteil an einem Anreizbudget. An dieser Stelle sei eine persönliche Einschätzung erlaubt: Ob die Kenngröße CO2-Einsparung in der finalen Regelung Bestand haben wird, bezweifle ich. Inhaltlich gibt es sicherlich Argumente für ein solches Vorgehen, ich empfinde den Mechanismus aber als zu komplex und an einigen Stellen auch als nicht eindeutig.

Die Rolle der Digitalisierung

energate: Welche Rolle ist im Kontext der Energiewendekompetenz der Digitalisierung beziehungsweise der Implementierung digitaler Prozesse zuzuordnen?

Koller: Sie ist die Grundvoraussetzung und zentraler Handlungsschwerpunkt. Ohne Digitalisierung geht es nicht. Die Zahl der Anschlussbegehren steigt, ihre Komplexität steigt, die Netzkapazitäten werden knapper, und der Betrieb verlangt mehr Interaktion und Steuerbarkeit. Das ist mit dem Digitalisierungsgrad heutiger Prozesse nicht zu bewerkstelligen. Deshalb wird dem Anreizmodell ein Digitalisierungsindex zur Seite gestellt, der den Entwicklungsstand transparent macht - für jeden Netzbetreiber und für die Branche.

Das vollständige Interview gibt es im energate messenger (+) zu lesen.

Foto: Handelsblatt

Umfrage zur Energiewenderkompetenz

enersis und energate führen in Kooperation zu dem Thema eine Umfrage zu den digitalen Kompetenzen der Verteilnetzbetreiber durch. Die Umfrage bildet die Grundlage für eine Studie, die die Rolle digitaler Fähigkeiten aufzeigen soll, die Energiewendekompetenz ermöglichen. Zur Umfrage gelangen Sie hier.

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